Hotel-Innenarchitektur: Grundlagen, Ziele und Anforderungen in Österreich

Verkaufsraum des Eisgeschäfts Ferretti in Wien mit Theke, Eisvitrine und Pendelleuchten
Gastronomie-Innenarchitektur von Daunenspiel: das Eisgeschäft Ferretti in 1030 Wien, wo Licht, Material und Theke ein Gesamtbild ergeben.

Hotel-Innenarchitektur ist die Gestaltung aller Gasträume eines Hotels mit einem klaren Ziel: Gäste sollen sich wohlfühlen, wiederkommen und das Haus weiterempfehlen. Zugleich müssen Betrieb, Pflege und Budget im Alltag funktionieren. Sie beginnt darum nicht bei der Auswahl schöner Möbel, sondern bei der Frage, wie ein Haus seine Gäste empfängt, durch die Räume führt und in Erinnerung bleibt. Für Restaurant, Café und Bar gilt das genauso, denn Gastlichkeit folgt in der Gastronomie denselben Regeln wie in der Hotellerie. Wie wir solche Projekte begleiten, zeigt unsere Leistungsseite Interior Design für Hotellerie und Gastronomie.

Wie viel dabei auf dem Spiel steht, zeigen die Zahlen. Laut der WKO-Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft brachte das Tourismusjahr 2024 in Österreich 154,29 Millionen Nächtigungen, den höchsten Wert seit Beginn der Messung. Dahinter stehen laut derselben Erhebung 94.753 gewerbeberechtigte Betriebe in Hotellerie, Gastronomie und Freizeitwirtschaft, die alle um dieselben Gäste werben. Rund 30,3 Milliarden Euro an Wertschöpfung hat der Tourismus 2024 erwirtschaftet, das sind 6,3 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung. Diese Zahl stammt aus einer WIFO-Berechnung, die die WKO in derselben Statistik ausweist. In diesem Umfeld ist die Gestaltung Ihres Hauses kein Kostenpunkt unter vielen. Sie ist das Erste, was ein Gast sieht, fotografiert und weitererzählt.

Was Hotel-Innenarchitektur umfasst

Hotel-Innenarchitektur umfasst alle Bereiche, die Ihre Gäste betreten oder erleben: den Empfang mit Lobby und Rezeption, die Zimmer, die Gastronomieflächen vom Frühstücksraum bis zur Bar, dazu Gänge, Stiegenhäuser und Sanitärbereiche. Ein Gast bewertet dabei nie einen einzelnen Raum. Er erlebt eine Abfolge von Eindrücken, vom ersten Schritt durch die Türe bis zum Auschecken, und genau diese Abfolge planen wir.

Von reiner Dekoration unterscheidet sich Innenarchitektur durch die Tiefe der Planung. Zu einem tragfähigen Konzept gehören:

  • Raumkonzept: Zonen, Wege und Sichtachsen. Wo kommt ein Gast an, wo wartet er, wo sitzt er am liebsten, wo braucht das Personal freie Bahn?
  • Farb- und Materialkonzept: eine Handschrift, die zur Positionierung des Hauses passt und über Jahre trägt, statt jeder Saison hinterherzulaufen.
  • Lichtplanung: Lichtfarben und Lichtszenen für unterschiedliche Tageszeiten, denn ein Frühstücksraum braucht anderes Licht als eine Hotelbar am Abend.
  • Möbelplanung: Objektmöbel, die Dauerbelastung aushalten, ergänzt um maßgefertigte Einbauten, wo Standardmaße nicht ausreichen.
  • Koordination der Gewerke: Tischlerei, Boden, Malerei und Elektrik, abgestimmt auf Bauabschnitte und den laufenden Betrieb.

Dekoration schmückt einen Raum. Innenarchitektur sorgt zusätzlich dafür, dass er sich betreiben lässt: Sie denkt Pflege, Haltbarkeit und Abläufe von Anfang an mit, damit das Haus auch nach Jahren intensiver Nutzung noch das ausstrahlt, was es am Eröffnungstag versprochen hat. Dazu gehört ebenso, Barrierefreiheit von Beginn an mitzuplanen, statt sie später nachzurüsten. Auch die baulichen und rechtlichen Anforderungen an Beherbergungsbetriebe fließen früh in die Planung ein. Sie sind ein Thema für sich, das wir hier bewusst nur streifen.

Bemerkenswert ist, wer über all das entscheidet. Laut der IUBH-Studie „Hotelzimmer 2030“ bestimmen vor allem die Hoteliers selbst (74 Prozent) und Architekten (44 Prozent) über die Zimmergestaltung. Gästemeinungen und Marktforschung spielen dagegen kaum eine Rolle. Genau darin liegt Ihre Chance: Wer die Perspektive der Gäste systematisch in die Gestaltung holt, hebt sich vom Großteil des Marktes ab.

Die Ziele: Gästeerlebnis, Wiederkehr, Bewertungen

Gute Hotel-Innenarchitektur arbeitet auf drei Ziele hin: auf ein Gästeerlebnis, das im Gedächtnis bleibt, auf Gäste, die wiederkommen, und auf Bewertungen, die neue Buchungen bringen. Dass Gestaltung dabei mehr ist als Geschmackssache, belegt die IUBH-Studie „Hotelzimmer 2030“: Wohlfühlambiente, Bettkomfort und Zimmer-Design haben demnach den größten Einfluss auf die Gästezufriedenheit. 74 Prozent aller Hotels nutzen ihre Raumgestaltung bereits als Verkaufsargument auf der Website oder in sozialen Medien. Die Studie leitet daraus einen klaren Schwerpunkt ab: Der Schlafkomfort soll im Zentrum der Zimmergestaltung stehen. Uns überrascht das nicht, denn wir sind mit Betten und Bettwaren groß geworden. Das Bett ist das eigentliche Produkt eines Hotelzimmers.

Noch deutlicher wird der Zusammenhang bei den Bewertungen. Eine Accor-Erhebung unter 5.000 Reisenden aus fünf europäischen Ländern zeigt: 97 Prozent der Gäste berücksichtigen Bewertungen früherer Gäste, bevor sie buchen, und lesen dabei im Durchschnitt neun Bewertungen pro Haus. Gästebewertungen sind damit der zweitwichtigste Buchungsfaktor, gleich nach der Qualität von Zimmern und Ausstattung. Am häufigsten achten Gäste laut derselben Erhebung auf Sauberkeit (52 Prozent), Preis-Leistung (27 Prozent), das Zimmer (26 Prozent), die Lage (21 Prozent) und die Freundlichkeit des Personals (19 Prozent).

Lesen Sie diese Liste einmal mit den Augen einer Einrichtungsberaterin: Drei der fünf Kriterien hängen unmittelbar an der Gestaltung. Das Zimmer ist Gestaltung. Das Preis-Leistungs-Empfinden entsteht wesentlich über die Wertigkeit von Materialien und Ausstattung. Und selbst Sauberkeit ist ein Gestaltungsthema, denn robuste, pflegeleichte Oberflächen entscheiden mit, ob ein Haus nach Jahren gepflegt wirkt oder müde. Für GastgeberInnen heißt das: Jede Gestaltungsentscheidung, von der Bezugsqualität bis zur Lichtfarbe, arbeitet später in den Bewertungen mit Ihnen oder gegen Sie.

Farben, Licht und Materialien im Gastraum

Farben, Licht und Materialien entscheiden gemeinsam darüber, wie ein Gastraum wirkt und wie er sich im täglichen Betrieb bewährt. Fachbeiträge aus der Gastronomie-Einrichtung beschreiben die Leitfarben eines Lokals sogar als wirtschaftliche Größe, denn sie beeinflussen, wie lange Gäste verweilen und wie viel sie auszugeben bereit sind. Über die Wirkung der einzelnen Farbfamilien herrscht dabei bemerkenswerte Einigkeit:

  • Rot, Orange und Gelb gelten als appetitanregend, fördern die Kommunikation am Tisch und beschleunigen Entscheidungen, was Betrieben mit hohem Gästeumschlag entgegenkommt.
  • Blau vermittelt Sauberkeit und Ordnung, dämpft aber den Appetit und bleibt in Speisebereichen deshalb besser Akzent als Leitfarbe.
  • Grün signalisiert Frische und Natürlichkeit und passt damit zu Frühstücksräumen und zu Konzepten mit regionaler Küche.
  • Erd- und Goldtöne laden zum Verweilen ein und gelten als Inbegriff von Luxus, während zu starke Farbigkeit rasch den Eindruck günstiger Preise weckt.
  • Schwarz und Weiß stehen für Exklusivität beziehungsweise für Klarheit und Hygiene, brauchen aber warme Materialien als Gegengewicht.

Dazu zwei Faustregeln aus der Praxis. Zu starke Farbkontraste bringen Unruhe in den Raum und können die Verweildauer senken. Warme Töne in Sitzbereichen verlängern dagegen den Aufenthalt, und kräftige Farben an der Theke fördern Impulskäufe.

Beim Licht ist die Farbtemperatur der wichtigste Hebel. Warm-weißes Licht liegt laut dem Fachportal Hotelier.de unter 3.300 Kelvin und empfiehlt sich als Wohlfühlfaktor für Lobby und Ruhebereiche, kalt-weißes Tageslicht beginnt jenseits von 5.300 Kelvin. Je kleiner die Kelvin-Zahl, desto wärmer empfinden wir das Licht. Für Bars und Restaurants nennt dasselbe Portal dimmbare LED-Lösungen, die zwischen Entspannung und geselliger Stimmung wechseln. Die Brancheninitiative licht.de ergänzt die betriebliche Seite: Gutes Licht wirkt im Zusammenspiel mit Architektur und Design positiv auf Image und Kundenbindung, moderne Konzepte wie Human Centric Lighting passen Helligkeit und Lichtfarbe dem Tagesverlauf an. Wird LED-Beleuchtung mit Tageslichtsteuerung und Präsenzerfassung kombiniert, sinkt der Energieverbrauch laut licht.de zudem um bis zu 80 Prozent. Bei heutigen Energiekosten ist das kein Nebensatz mehr.

Bei den Materialien trennt sich der Gastraum am deutlichsten vom Wohnzimmer. Ein Stuhl im Frühstücksraum wird täglich viele Male gerückt, ein Polstermöbel in der Lobby von wechselnden Gästen besetzt, eine Tischplatte unzählige Male gewischt. Die Möbelbranche misst die Strapazierfähigkeit von Bezugsstoffen deshalb im Martindale-Test in sogenannten Scheuertouren. Nach der Einstufung des Polsterfachhandels genügen im Privathaushalt 10.000 bis 15.000 Touren. Im öffentlichen Bereich beginnen die Anforderungen bei 20.000 Touren, intensive Nutzung verlangt 30.000 und sehr starke Beanspruchung 40.000 Touren, die traditionell als obere Qualitätsschwelle gelten. Moderne Bezugsstoffe erreichen mittlerweile bis zu 100.000 Scheuertouren. Für Ihr Projekt ist Objektqualität damit keine Geschmacksfrage, sondern eine Rechenaufgabe: Ein Stoff, der doppelt so lange hält, halbiert die Zahl der Neubezüge.

Was kostet Hotel-Innenarchitektur?

Eine belastbare Zahl für Ihr Haus entsteht erst am Projekt: nach der Bestandsaufnahme, nach den Zimmerkategorien und nach der Frage, wie viel Substanz bleibt. Eine Preisliste für Hotelzimmer wäre deshalb unseriös, und wir führen keine. Was wir Ihnen an dieser Stelle geben können, sind die Richtwerte, an denen sich der Markt orientiert, und unsere Einordnung dazu. Damit prüfen Sie ein Angebot, das Ihnen vorliegt, und rahmen eine Investition grob, bevor wir im Erstgespräch über Ihr Haus sprechen.

Für die Einrichtung eines Hotelzimmers reichen die Richtwerte je nach Kategorie von rund 4.500 Euro bis über 32.000 Euro je Zimmer. So beziffern Hotelsachverständige der DIEHOGA Denkfabrik das sogenannte FF&E-Budget für Einrichtung, Möblierung und Ausstattung. Im Einzelnen nennen sie 4.500–6.500 Euro im 2-Sterne-Segment, 8.500–12.500 Euro bei 3 Sternen, 14.500–25.000 Euro bei 4 Sternen und über 32.000 Euro je Zimmer in der 5-Sterne-Hotellerie. Für die Planung besonders relevant: 40 bis 60 Prozent dieser Werte entfallen auf die Möblierung inklusive Einbauten und Dekoration, also genau auf jenen Teil, den die Innenarchitektur verantwortet.

Die zweite Größe ist der Rhythmus, in dem ein Haus erneuert wird. Der Hotelausstatter APPIA Contract beschreibt für den deutschsprachigen Raum drei Zyklen:

  1. Soft-Renovierung, etwa alle 8–15 Jahre. Die Auffrischung ohne Eingriff in die Substanz. Kostenrahmen je Standard-Doppelzimmer: rund 3.000–6.000 Euro, mit Möbeltausch 5.000–15.000 Euro.
  2. Zimmerrenovierung inklusive Bäder, etwa alle 15–20 Jahre. Die umfassende Erneuerung liegt laut APPIA bei rund 30.000–50.000 Euro pro Zimmer.
  3. Komplettmodernisierung inklusive Haustechnik, etwa alle 25–35 Jahre. Die Kernsanierung beginnt bei etwa 50.000 Euro je Zimmer.

Auch der Zeitbedarf lässt sich eingrenzen. Bei einem Haus mit rund 50 Zimmern rechnet APPIA für kleinere Soft-Renovierungen mit 6–10 Wochen pro Bauabschnitt, für umfassende Renovierungen mit 12–16 Wochen. International bestätigt sich das Muster: Der Hospitality-Anbieter Operto nennt einen üblichen Renovierungszyklus von 8–12 Jahren und Richtwerte von 8.000 US-Dollar je Economy-Zimmer bis 150.000 US-Dollar je Luxuszimmer, ausdrücklich als Durchschnittswerte mit regionalen Abweichungen.

Zwei Einordnungen gehören dazu. Erstens sind das Richtwerte aus dem deutschsprachigen Raum und internationale Vergleichsgrößen. Eine belastbare Kalkulation entsteht erst am konkreten Projekt. Zweitens wartet der Wettbewerb nicht: Laut einem Branchenreport des Fachmediums Hotel Inside erreichte das Hotel-Investmentvolumen in Österreich allein im ersten Halbjahr 2025 rund 215 Millionen Euro, ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2024 eröffneten hierzulande 13 neue Hotels mit rund 1.800 Zimmern, 2025 folgen Projekte mit über 2.000 weiteren Zimmern. Die Nachfrage trägt diese Investitionen, denn die Sommersaison 2025 brachte laut demselben Report mit 83,39 Millionen Nächtigungen einen neuen Rekord, ein Plus von 2,2 Prozent. Wer die eigene Erneuerung zu lange schiebt, konkurriert deshalb Jahr für Jahr mit frisch eröffneten Häusern.

Aus unserer Planungspraxis kommt dazu eine Beobachtung, die in keiner dieser Aufstellungen steht: Der Betrag je Zimmer entscheidet weit weniger als die Frage, wie oft er anfällt. Ein Konzept, das eine Kategorie und einen Materialkanon über das ganze Haus trägt, lässt sich in Abschnitten erneuern und Stück für Stück nachkaufen. Ein Haus, in dem jedes Stockwerk seiner eigenen Logik folgt, zwingt Sie bei jedem Zyklus zurück an den Anfang. Diesen Unterschied legen wir im Entwurf an, lange bevor er in einer Kalkulation sichtbar wird.

Renovieren im laufenden Betrieb

Diesen Teil sehen wir in der Planung am häufigsten unterschätzt, und er entscheidet über den Erfolg eines Umbaus mehr als die Wahl der Stoffe. Der Renovierungszyklus sagt, wann ein Haus erneuert wird. Die schwierigere Frage ist das Wie, denn zusperren können die wenigsten Häuser. Renoviert wird deshalb nicht am Stück, sondern in Bauabschnitten, einer nach dem anderen: ein Stockwerk, ein Trakt oder eine Zimmerachse, während der Rest des Hauses ganz normal Gäste empfängt. Die Zeitrahmen, die APPIA Contract für ein Haus mit rund 50 Zimmern nennt, sind genau so gemeint: je Bauabschnitt, nicht für das gesamte Haus. Wer sie auf das ganze Projekt umlegt, plant den Umbau um ein Vielfaches zu kurz.

Die Einteilung nach Stockwerk oder Trakt hat vor allem einen betriebswirtschaftlichen Grund. Ein geschlossenes Haus verliert seine gesamten Nächtigungen, ein gesperrtes Stockwerk nur einen Teil davon, und der übrige Betrieb trägt in dieser Zeit weiter mit. Damit diese Rechnung aufgeht, muss die Planung mehr können, als schöne Zimmer zu entwerfen. Anlieferung und Bauverkehr brauchen eigene Wege, Möbel ein Zwischenlager. Und die Entscheidung über Stoffe, Oberflächen und Möbelmodelle fällt früh, denn die Lieferzeiten geben den Takt der Abschnitte vor. Ein Bauabschnitt, der auf eine Nachlieferung wartet, blockiert Zimmer, die längst wieder verkauft werden könnten.

Die zweite Aufgabe betrifft die Gäste, die während der Arbeiten im Haus bleiben. Lärm und Staub lassen sich nicht wegplanen, wohl aber eingrenzen:

  • Abschottung: staubdichte Trennwände zum Gästebereich, getrennte Wege für Handwerk und Gäste, tägliche Reinigung der Übergänge.
  • Zeitfenster: laute Arbeiten in die Mitte des Tages legen, nicht in die frühen Morgen- und die Abendstunden.
  • Pufferzimmer: die Zimmer direkt neben und unter dem Bauabschnitt vorerst nicht verkaufen.
  • Information: an der Rezeption offen ansprechen, was gerade geschieht und wie lange es dauert.

Das ist keine Höflichkeit, sondern Schutz für Ihre Bewertungen. Sauberkeit steht, wie oben gezeigt, an der Spitze der gelesenen Kriterien, und eine Baustelle im Haus wirkt genau dort hinein.

Bleibt die Saison, und in Österreich ist sie der eigentliche Taktgeber. Der Rekordsommer 2025, den der Branchenreport von Hotel Inside ausweist, hat für Ihre Planung zwei Seiten. Die hohe Auslastung trägt die Investition, sie macht die ruhigen Wochen aber auch knapp. Bauzeitenpläne entstehen deshalb rückwärts. Sie beginnen beim gewünschten Wiedereröffnungstermin und rechnen über Montage und Lieferung zurück bis zur Bestellung, die regelmäßig Monate vor dem ersten Handgriff auf der Baustelle liegt. Welche Wochen in Ihrem Haus wirklich ruhig sind, wissen Sie am besten. Um diese Wochen herum legen wir die Bauabschnitte, nicht umgekehrt. Damit das trägt, gehört der Bauzeitenplan in dieselbe Hand wie das Gestaltungskonzept: von der Bestandsaufnahme über Entwurf und Bestellung bis zur Montage vor Ort.

Vom Eisgeschäft bis zum Stadthotel: Beispiele aus Wien

Wie diese Grundlagen in der Praxis aussehen, lässt sich in Wien auf engem Raum beobachten. Die Stadt steht laut Hotel Inside für rund 19 Millionen Nächtigungen im Jahr, etwa 12 Prozent des österreichischen Gesamtvolumens. Zwischen Kaffeehaus-Tradition und internationalen Neueröffnungen entscheidet hier oft die Gestaltung darüber, ob ein Lokal zum Stammplatz wird.

Ein Projekt aus unserer eigenen Arbeit macht das greifbar: das Eisgeschäft Ferretti in 1030 Wien, ein Café und Eisgeschäft in der Rochuspassage. Die Fläche ist klein, und genau darin lag die Aufgabe: alle Geräte und die gesamte Ausstattung so unterzubringen, dass Gäste und Personal einander nicht in die Quere kommen. Warme Farbtöne in Kombination mit Holz machen den Raum gemütlich, eine Bar aus Vollholzeiche bildet das Zentrum, Barhocker von MIDJ in Leder im Farbton „Rosépink“ setzen den Akzent. Eine 3D-Visualisierung machte Farben, Materialien und Wirkung schon vorab sichtbar. Nach rund zwei Monaten Gestaltungs- und Umbauphase durften wir das fertige Geschäft übergeben.

Das Beispiel zeigt im Kleinen, was im Stadthotel im Großen gilt: Gastlichkeit entsteht, wenn Funktion und Atmosphäre gemeinsam geplant werden, nicht nacheinander. Der Maßstab ändert sich, die Abfolge bleibt: ankommen, wohlfühlen, wiederkommen.

Der Weg dorthin folgt bei uns einem klaren Ablauf. Am Anfang steht ein Erstgespräch, in dem wir zuhören und Ihr Haus, Ihr Konzept und Ihren Rahmen kennenlernen. Es folgen Bestandsaufnahme, Raum-, Farb- und Materialkonzept sowie auf Wunsch eine 3D-Visualisierung, mit der Sie Ihren künftigen Gastraum vor der ersten Bestellung begehen können. Den Abschluss bilden Möbelplanung, Lieferung und Montage, abgestimmt auf Ihre Betriebszeiten. Wie diese Schritte ineinandergreifen, zeigt unser Interior-Design-Prozess.

Häufige Fragen

Warum ist Innenarchitektur im Hotelgewerbe so wichtig?

Weil Gestaltung direkt auf Zufriedenheit und Buchungen wirkt. Laut der IUBH-Studie „Hotelzimmer 2030“ haben Wohlfühlambiente, Bettkomfort und Zimmer-Design den größten Einfluss auf die Gästezufriedenheit, und 74 Prozent aller Hotels nutzen ihre Raumgestaltung als Verkaufsargument. Eine Accor-Erhebung unter 5.000 Reisenden zeigt zudem, dass 97 Prozent der Gäste vor der Buchung Bewertungen lesen, in denen Zimmer, Sauberkeit und Preis-Leistung vorne stehen. Gut gestaltete Räume verkaufen also mit.

Wie oft sollte ein Hotel renovieren?

Der Hotelausstatter APPIA Contract nennt für den deutschsprachigen Raum drei Zyklen: eine Soft-Renovierung etwa alle 8–15 Jahre, eine Zimmerrenovierung inklusive Bäder etwa alle 15–20 Jahre und eine Komplettmodernisierung inklusive Haustechnik etwa alle 25–35 Jahre. International beschreibt der Hospitality-Anbieter Operto einen üblichen Rhythmus von 8–12 Jahren. Wichtig ist, den Zyklus aktiv zu planen, bevor die Abnutzung in den Gästebewertungen sichtbar wird.

Was kostet die Einrichtung eines Hotelzimmers?

Hotelsachverständige der DIEHOGA Denkfabrik beziffern das FF&E-Budget, also Einrichtung, Möblierung und Ausstattung, mit 4.500–6.500 Euro je Zimmer im 2-Sterne-Bereich, 8.500–12.500 Euro bei 3 Sternen, 14.500–25.000 Euro bei 4 Sternen und über 32.000 Euro in der 5-Sterne-Hotellerie. Davon entfallen 40 bis 60 Prozent auf die Möblierung inklusive Einbauten und Dekoration. Für Renovierungen nennt der Hotelausstatter APPIA Contract je Standard-Doppelzimmer rund 3.000–6.000 Euro für eine Soft-Renovierung, mit Möbeltausch bis zu 15.000 Euro, und rund 30.000–50.000 Euro für eine Vollrenovierung inklusive Bad.

Welche Farben und welches Licht eignen sich für Gastronomie und Hotellerie?

Warme Farben wie Rot, Orange und Gelb gelten in der Gastronomie als appetitanregend, Erd- und Goldtöne laden zum Verweilen ein, Blau dämpft den Appetit und bleibt besser Akzent. Beim Licht empfiehlt das Fachportal Hotelier.de für Lobby und Ruhebereiche warm-weißes Licht unter 3.300 Kelvin, für Bars und Restaurants dimmbare LED-Lösungen. Entscheidend ist, Farb- und Lichtkonzept gemeinsam zu planen, denn erst ihr Zusammenspiel ergibt die Atmosphäre, die Gäste als stimmig erleben.

Geschrieben von
Sandra Bittmann
Einrichtungsberaterin, Daunenspiel

Sandra Bittmann begleitet bei Daunenspiel Einrichtungsprojekte von der ersten Beratung bis zur Übergabe und schreibt über Interior Design für private und gewerbliche Räume.

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